Wenn Bräute zu mir ins Atelier kommen, ist die häufigste Unsicherheit nicht die Farbe oder die Spitze — sondern: „Welche Form steht mir überhaupt?" Die gute Nachricht vorweg: Es gibt kein Kleid, das nur einer bestimmten Figur „erlaubt" ist. Aber jede Silhouette betont etwas anderes, und wenn du weißt, was du an dir zeigen möchtest, wird die Auswahl auf einmal viel leichter.

Ich gehe hier die drei großen Silhouetten durch, die du auch in meinem Brautkleid-Katalog findest, und sage dir bei jeder ehrlich, für wen sie am stärksten wirkt.

Die A-Linie — die schmeichelnde Allrounderin

Die A-Linie ist die unkomplizierteste Silhouette: Sie liegt am Oberkörper an und fließt von der Taille gerade nach unten — wie der Buchstabe A. Genau deshalb steht sie praktisch jeder Figur. Sie betont die schmalste Stelle, kaschiert Hüfte und Po sanft und gibt dir den ganzen Tag Bewegungsfreiheit.

Wenn du dir unsicher bist oder dich frei bewegen möchtest — beim Standesamt genauso wie beim Tanz am Abend — ist die A-Linie fast immer eine sichere, schöne Wahl. Sie wirkt klassisch, ohne altmodisch zu sein.

Die Meerjungfrau — figurbetont und selbstbewusst

Die Meerjungfrau-Silhouette (auch „Fishtail") liegt bis zum Knie eng an und öffnet sich dann zum Saum. Sie zeichnet deine Figur klar nach und ist die sinnlichste der drei Formen. Wunderschön, wenn du deine Taille und Hüfte bewusst zeigen möchtest.

Worauf ich dich ehrlich hinweise: Eine Meerjungfrau ist in der Passform die anspruchsvollste Form. Hüfte, Taille und die Knielinie müssen exakt sitzen, damit du dich gut bewegen und hinsetzen kannst. Genau das arbeite ich bei der Anprobe sorgfältig aus — und genau hier zahlt sich eine Schneiderin gegenüber der Stange aus.

Das Prinzessinkleid — der große, märchenhafte Auftritt

Das Prinzessinkleid (A-Linie mit voluminösem Rock, oft „Ballgown" genannt) ist der Traum vom großen Auftritt: schmales Oberteil, weit ausgestellter Rock. Es betont eine schlanke Taille, schafft optisch Höhe und ist der Klassiker für die kirchliche oder festliche Hochzeit.

Der volle Rock kaschiert die untere Körperhälfte vollständig — ideal, wenn du den Fokus ganz nach oben legen möchtest. In meinem Limited-Bereich findest du einige besonders romantische Prinzessin-Modelle.

Ausschnitt und Stoff verändern die Wirkung mehr, als du denkst

Innerhalb jeder Silhouette macht der Ausschnitt einen großen Unterschied: Ein V-Ausschnitt streckt und wirkt elegant-zurückhaltend, ein Herzausschnitt rahmt das Dekolleté feminin, ein Bootsausschnitt betont Schultern und Schlüsselbein. Auch der Stoff zählt: Glatter Stretch-Crêpe wirkt modern und ruhig, Spitze und Tüll romantisch, fester Mikado skulptural.

Mein Rat: Leg dich nicht zu früh fest. Oft ist das Kleid, in dem du dich am wohlsten fühlst, nicht das, das du dir vorher ausgemalt hast.

Deine Größe entscheidet nicht über die Silhouette

Ein Mythos, den ich gern aus dem Weg räume: Es gibt keine Silhouette, die „nur" für schmale oder „nur" für kurvige Bräute ist. Viele meiner Modelle gibt es bis Größe 50, 52 oder 54. Wenn du nach Plus-Size-Brautmode suchst, schau in meine Plus-Size-Auswahl oder lies meinen Beitrag „Plus-Size-Brautmode — was Curvy-Bräute bei mir wirklich finden".

Am ehrlichsten findest du es bei der Anprobe heraus

So hilfreich Theorie ist — die Silhouette, die zu dir passt, spürst du erst im Spiegel. Deshalb empfehle ich: Such dir in meinem Katalog zwei, drei Modelle aus unterschiedlichen Silhouetten aus, markier sie mit dem Herz für deine Wunschliste, und probier sie bei einem Termin nebeneinander an. Der Unterschied ist oft verblüffend deutlich.

Wie so ein Termin abläuft und wie du dich vorbereitest, habe ich hier aufgeschrieben: Brautkleid-Anprobe — was du wirklich brauchst.

Wenn du magst, schreib mir kurz über das Formular — wir finden gemeinsam heraus, welche Form dich zum Strahlen bringt.

— Annett